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August Gauls Tierfiguren waren wegweisend für nachfolgende Bildhauer, da sie »von Altem befreiten und den Weg zu Neuem wiesen«, und das trotz der erheblichen Distanz seines autonomen und qualitätsvollen Werkes zu den unterschiedlichen Stilen des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Gaul wird am 22. Oktober 1869 in Großauheim als Sohn eines Steinmetzes geboren. Im Frühjahr 1890 gewinnt er bei einer Verlosung eine Dauerkarte für den Berliner Zoologischen Garten. Ob dieses Ereignis der Auslöser für die lebenslange Beschäftigung mit Tiermotiven ist, bleibt ungewiss. Sicher ist aber, dass August Gaul ein besonderes Faible für dieses Genre hatte, denn zeitgenössische Quellen berichten, dass der junge Bildhauer ab diesem Moment täglich mehrere Stunden vor den Gehegen verbringt, um Skizzen anzufertigen, die er später in Plastiken umsetzt. Dabei gilt sein besonderes Interesse den exotischen, nicht domestizierten Tieren.
Der damals Einundzwanzigjährige belegt zu jener Zeit Kurse an der Abendschule des Kunstgewerbemuseums und arbeitet gleichzeitig im Atelier des Bildhauers Alexander Calandrelli. Erst 1894 beginnt August Gaul ein Studium an der Berliner Kunstakademie in der Klasse des Malers Paul Meyerheim, der ebenfalls eine Vorliebe für die Tierwelt hat. Ab 1895 ist Gaul Meisterschüler des Berliner Bildhauers Reinhold Begas, der ihm die Mitarbeit am Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I ermöglicht, das später vor dem Berliner Stadtschloss aufgestellt wird. 1900 darf Gaul seine Skulptur der ‚zwei römischen Ziegen‘ auf der Pariser Weltausstellung zeigen. Diese öffentlichen Aufträge ebnen dem Künstler im ausgehenden 19. Jahrhundert den Weg, sich zu einem der wichtigsten Tierbildhauer des 20. Jahrhunderts zu etablieren.
1896 gehört August Gaul zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Sezession, ab 1902 sitzt er in deren Vorstand. Die Zusammenarbeit mit Paul Cassirer, zudem er ein tiefes freundschaftliches Verhältnis pflegt, ermöglicht August Gaul den exklusiven Verkauf an einen elitären Käuferkreis, zu dem auch Max Liebermann und der Hamburger Museumsdirektor Alfred Lichtwark gehören. 1908 ernennt ihn die Berliner Akademie zum Professor, 1921 zum Senator. Diese Stellung wird er jedoch nicht antreten, da Gaul kurz darauf, am 18. Oktober 1921, in Berlin verstirbt.
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